Was Selbstliebe (nicht) ist

Wir sollen uns selbst annehmen und akzeptieren so wie wir sind, mit allen Ecken und Kanten, Vorzügen und Fehlern – denn genau daraus können wir etwas machen, nämlich das zu werden, was wir sind. Voraussetzung dafür ist aber, auch all das anzunehmen, wodurch wir geworden sind, was wir sind. Das ist Biographiearbeit…

 

Aber Selbstliebe heißt nicht, sich selbst zu lieben. Liebe kann nicht in der Isolation eines Ich entstehen und gedeihen, Liebe braucht ein Gegenüber, mit dem man verschmelzen kann.

Selbstliebe kann daher nicht vom Ich, sondern nur von der Liebe her gedacht werden.

 

Wir haben alle diese hohen Melodien im Paradies vernommen, das wir verloren, und obwohl uns die Erde und das Wasser niedergedrückt haben, behalten wir die himmlischen Gesänge in unserem Gedächtnis. … Jeder, der weit von seinem Ursprung entfernt lebt, sehnt sich nach dem Tag der wiederkehrenden Vereinigung.“ (Rumi)

Für den Sufi ist die Vereinigung zweier Liebender identisch mit der Vereinigung mit dem Ursprung.

 

Eugen Drewermann ergänzt: „Wo irgend die Worte eines Menschen so in unser Herz dringen, dass sie etwas Urvertrautes und Urverwandtes daraus hervorlocken, so als würde unser ganzes Wesen in all seinen Träumen und Möglichkeiten in die Wirklichkeit gerufen, da beginnt der Zauber der Liebe das Innere eines Menschen zu verwandeln und mit sich selbst und dem Partner seiner Liebe vollkommen zu verschmelzen.“

 

 

Was mit Selbstliebe gemeint ist, ist somit das, was nur in der Liebe zu einem anderen entstehen kann. Nur im Verschmelzen mit einem anderen kann man mit sich selbst verschmelzen – und gleichzeitig mit dem Ursprung, dem jede Sehnsucht gilt...

 

 

Anna Stangl: Verbunden, 2000
Anna Stangl: Verbunden, 2000

„Die Art, wie wir

die Welt sehen, erleben

und in ihr agieren,

hängt ab von einem

‚Denkrahmen‘.

Er zeigt den für uns wichtig gewordenen, gewohnten

Ausschnitt der Wirklichkeit.

Er schließt ein

und er grenzt aus.

In diesen Denkrahmen sind wir hineingewachsen.

Wir können aber auch

über ihn

hinauswachsen.“

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Dr. Robert Harsieber

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